Lieber Lange,
Veröffentlicht: April 26, 2011 Einsortiert unter: Der Briefwechsel Schreibe einen Kommentar »stimmt – Du sprichst es sehr richtig an: Es gibt zwei Seiten. Auf der einen die “User”, die in Deutschland immer noch eher Angst vor dem Neuen haben, als sie bereit sind, Dinge einfach mal auszuprobieren. Auf der anderen die Politik, die (wenn man jetzt mal freundlich argumentiert) letztlich “nur” darauf reagiert und dem digitalen Wandel keine Priorität einräumt, weil die Wähler ihm keine Prioriät einräumen.
In der Gleichung gibt es noch einen dritten Wert: Die Hersteller, die es bislang versäumt haben, Geräte auf den Markt zu bringen, die man ohne vorheriges Studium der Wirtschaftsinformatik auch bedienen kann. Nun: Das ändert sich langsam, vor allem mit den Gadgets von Apple, die leider (noch?) sehr teuer sind.
Vielleicht wird auch so ein Schuh draus: Wenn sich die Geräte weiter verbreiten, wird die Benutzung zunehmen. Vor allem juristisch äußerst fragwürdige Angebote wie Facebook kommen ja durchaus an in Deutschland. Daraus wird dann der Druck auf die Politik entstehen, etwas zu tun. Freilich: Politiker, die diesen Zeitgeist nicht erkennen, werden sich warm anziehen müssen.
Mehr als das: Nachdem eh schon Google unsere Bibliotheken einscannt, Microsoft unsere Straßen fotografiert und Facebook unsere Bekanntschaften verwaltet, stellt sich langsam die Frage: Werden die US-amerikanischen Unternehmen nicht eines Tages gleich den ganzen Staat mit übernehmen? Effizienter wäre es vermutlich…
Lieber Gerlach,
Veröffentlicht: April 15, 2011 Einsortiert unter: Der Briefwechsel | Tags: Bürgermeister, digitale Dividende, digitale Grundversorgung, digitale Spaltung, DSL, Lokaljournalist Schreibe einen Kommentar »ich denke, wir haben ein Problem in der Gesellschaft, das sich auch bei meinen Veranstaltungen zeigt. Wir haben einen Bruch, einen Riss in der Gesellschaft. Diese Spaltung ist nicht wie klassisch arm oder reich, sondern in analog und digital. Ich habe dazu mal was in meinem Blog geschrieben.
Viele Teilnehmer an meinen Schulungen denken doch, dass wir Science Fiction erzählen. Bei ihnen ist die digitale Welt zu Hause im Arbeitszimmer angekommen, doch da bleibt sie auch schön. Der Rechner ist zum Arbeiten da und in der Freizeit „will ich mit dem Zeug nichts zu tun haben“ – so lauten immer wieder Aussagen. Während wir von mobilen Internet, Sozialen Netzen und Cloud Computing reden, kämpfen viele Teilnehmer mit der digitalen Grundversorgung und haben maximal ein DSL 1000 zur Verfügung. Lieber Gerlach, da hat dieser Staat ein Problem. Die Politik redet seit langem von der Lösung, nun heißt es, dass die Erlöse aus der digitalen Dividende verwendet werden sollen. Ich bin mal gespannt.
Aber leider kenne ich auch Bürgermeister aus meiner langen Zeit als Lokaljournalist, denen das Thema Internet nicht wichtig ist. Ihnen stehen Feuerwehr und Schützen näher, wobei ich jetzt nicht schwarzweiß denken will. Solange der Rathauschef die Dramatik des digitalen Wandels nicht erkennt, werden viele Kommunen abgehängt bleiben und wir können noch so viel von der Zukunft des Netzes erzählen.
Lieber Lange,
Veröffentlicht: April 9, 2011 Einsortiert unter: Der Briefwechsel Schreibe einen Kommentar »Datensammler? Ja, klar, Riesenproblem. Aber wo wir schon darüber reden, sollten wir uns noch einen anderen Aspekt des Themas anschauen: Die immer stärker werdende Vernetzung über Standardschnittstellen. Es ist ja heute schon so, dass z. B. Facebook-Funktionalitäten ohne Probleme in beliebige Webseiten eingebunden werden kann. Der berühmte “Gefällt mir”-Button ist technisch ein IFrame, befindet sich also gar nicht auf demselben Server wie die Website, auf der er eingebunden ist.
Kapiert das irgendein Laie? Eher nicht. Kapiert das der Gesetzgeber? Ich bin skeptisch.
Den Effekt aber muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Facebook (und andere) sind auf diese Weise in der Lage, Daten über ihre User auch dann zusammeln, wenn die sich dessen gar nicht bewußt sind, weil sie z. B. glauben, sie surften gerade auf einer völlig anderen Website.
Es geht aber noch weiter: Ich kann problemlos auch den umgekehrten Weg gehen und die Daten aus Facebook und anderen Diensten exportieren. Also: Wir zwei könnten zum Beispiel in der Marginalspalte auf diesem Blog unsere Profilbilder aus Facebook einbinden – vielleicht sollten wir das tatsächlich mal machen. Als Nutzer von Google Latitude könnten wir dann noch unsere aktuellen Positionsdaten dazustellen, die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Das Problem, das ich dabei sehe: Was man mit vernetzten Daten alles machen kann, läßt sich vorher nicht absehen. Der Such-Algorithmus von Google, der übrigens auch gerade “sozial” wird, ist dafür das beste Beispiel.
Lieber Gerlach,
Veröffentlicht: April 4, 2011 Einsortiert unter: Der Briefwechsel | Tags: Apple, BigBrotherAward, Datenschutz, Facebook, Freundefinder, Gated Community, iPhone, Willkür Schreibe einen Kommentar »ich halte es für wichtig. Aber noch wichtige ist das Thema Datensammler. Was machen Google & Co mit unseren Daten? Wir beide werden dieser Frage nachgehen. Dabei bin ich bei meiner Recherche auf die BigBrotherAwards gestoßen? Die BigBrotherAwards Deutschland wurden ins Leben gerufen, um die öffentliche Diskussion um Privatsphäre und Datenschutz zu fördern – sie sollen missbräuchlichen Umgang mit Technik und Informationen zeigen.
Dieses Jahr erhielten Facebook und meine Lieblingsfirma Apple die Auszeichnungen. Und die Worte sind hart: Geiselnahme der Kunden und systematischer Datenschutzverstöße. Der Name ist George Orwells negativer Utopie “1984″ entnommen, in der der Autor bereits Ende der vierziger Jahre seine Vision einer totalitären Überwachungsgesellschaft entwarf. Die Preisskulptur, eine von einer Glasscheibe durchtrennte und mit Bleiband gefesselte Figur, wurde von Peter Sommer entworfen. Sie zeigt eine Passage aus Aldous Huxleys “Schöne Neue Welt”.
Die Begründungen sind diskussionswürdig und wir beide werden sie dieser Tage diskutieren:
Bei Facebook heißt es: Der BigBrotherAward 2011 in der Kategorie “Kommunikation” geht an die Facebook Deutschland GmbH für die gezielte Ausforschung von Menschen und ihrer persönlichen Beziehungen hinter der netten Fassade eines vorgeblichen Gratisangebots. Die gesammelten Daten speichert Facebook in den USA – Zugriff für Geheimdienste möglich, Löschen nicht vorgesehen. Per „Freundefinder“ und “Handy-App” eignet sich Facebook Telefonnummern und Mailadressen aus den Adressbüchern der Nutzer an. Der “Gefällt-mir”-Button auf fremden Webangeboten verpetzt auch ohne Anklicken alle Besucher der Seite an Facebook. Mit Facebook wuchert eine Art zentrale „Gated Community“ im Netz, in der Menschen auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Hier herrscht die Willkür eines Konzerns und der verdient mit systematischen Datenschutzverstößen Milliarden.
Bei Apple wurde folgendes bemängelt: Ein weiterer BigBrotherAward 2011 in der Kategorie „Kommunikation“ geht an die Apple GmbH in München für die Geiselnahme ihrer Kunden mittels teurer Hardware und die darauf folgende Erpressung, den firmeneigenen zweifelhaften Datenschutzbedingungen zuzustimmen. Wer sich für mehrere hundert Euro ein schickes neues iPhone gekauft hat, will es auch nutzen. Die Kunden haben quasi keine Wahl, den 117 iPhone-Display-Seiten mit Datenschutzbedingungen nicht zuzustimmen, denn sonst könnten sie ihr teures Gerät maximal zum Telefonieren nutzen. Insbesondere die Lokalisierungs- oder Standortdaten der Nutzer werden von App-Betreibern und Werbekunden gerne genutzt, um speziell zugeschnittene Werbung zu platzieren.
Lieber Lange,
Veröffentlicht: März 25, 2011 Einsortiert unter: Der Briefwechsel Schreibe einen Kommentar »aber klar ist da Potenzial drin! Das sieht man ja alleine an der Anzahl von Apps zu dem Thema, die derzeit aus dem Boden schießen. Das geht bis hin zu “menschlichem” Empfehlungs-Marketing, wie man es auf Seiten wie Xing findet, so nach dem Motto: “Diese Kontakte könnten Sie auch noch interessieren”. Oder bei dem noch wenig bekannten mobilen Social Network “aka-aki”, das mir auf dem Handy mitteilt, wenn ein anderer User in der Nähe ist. Ich erfahre, wie er oder sie heißt, was er für Interessen und Hobbies hat und so weiter.
Ich sehe nur zwei Probleme:
- Wir müssen aufpassen, dass nicht auch dieses Thema wieder von den “großen Zwei” dominiert wird, nämlich Facebook und Google. Und
- Natürlich sind alle diese Dinge potenziell ein riesiges Datenschutzproblem.
Oder bin ich als Franke da nur wieder zu vorsichtig?
Lieber Lange,
Veröffentlicht: März 22, 2011 Einsortiert unter: Der Briefwechsel | Tags: Franken, Fraunhofer, Henlein, mp3, Nürnberg 1 Kommentar »lieg Du nur nackert im Englischen Garten rum (das Wetter macht es ja heute FAST wieder möglich…). Schon recht. Bloß irgendwer muß ja auch die Taschenuhr erfinden (war ein Franke), die erste Eisenbahn bauen (war in Franken), Musik mit dem mp3-Verfahren komprimieren (in Franken erfunden) oder das weltweit erste Restaurant bauen, in dem die Bratwurst mittels eines Rutschbahn-Systems aus der Küche direkt an den Tisch geglitten kommt (in Franken). Guggst Du hier:
Du verstehst: Für´s Nixtun haben wir einfach keine Zeit – wir müssen schließlich für Euch Oberbayern mit-arbeiten….
Lieber Gerlach,
Veröffentlicht: März 21, 2011 Einsortiert unter: Der Briefwechsel | Tags: Sommer in der Stadt, Spider Murphy Gang Schreibe einen Kommentar »ich warte auf den Frühling, aber eigentlich warte ich auf den Sommer. Und Sommer in München bedeutet für mich alten Mann auch immer die Spider Murphy Gang. Gerne wieder höre ich die Kapelle mit ihrem „Sommer in der Stadt“. Das drückt mehr Lebensgefühl als kuschelige Eisbären. Hier für dich als Franken die Texte auf bayrisch. Vielleicht kannst du es ja verstehen. Habt ihr eigentlich auch so schöne Lieder über Nürnberg?
1. Strophe:I renn nackert durch n Englischen Garten, sitz high auf’m Monopteros.I kauf mir a Maß am Chinesischen Turm und flanier‘ mit dir auf der Leopoldstraß‘.
2. Strophe:I schlürf an Eiskaffee im Rialto und schau den junga Hasennach.I glaub mei Chef muaß heut auf mi verzichten, ja, i lieg viel lieber mit dir im Gras.
Refrain: S’is wieder Sommer, S’is wieder Sommer,S’is wieder Sommer, Sommer in der Stadt
3. Strophe:I renn zur Gaudi durch an Brunna am Stachus, geh durch’d Fußgängerzone patschnaß.I schau mir japanische Touristen o, beim Glockenspoi auf’m Marienplatz.
4. Strophe:I fahr zum bodn mit’m Radl an’d Isar, lieg auf den Kieselstoana am Strand.I sitz im Biergartn drauß‘ in der Waldwirtschaft und lösch mit a Maß mein Sonnabrand. Refrain:
5. Strophe:I renn nackert durch n Englischen Garten, sitz high auf’m Monopteros.I glaub mei Chef muaß heut auf mi verzichten, ja, i lieg viel lieber mit dir im Gras. Refrain (2 mal):

